Reichlich griechisch-mediterran tönt die Anfangsmusik von „Violent Cop“, wenn Titelheld Azuma stoisch und mit hölzernem Gang auf dem Weg ins Polizeirevier ist. Es wird Ärger geben, denn sein neuer Chef will ihm für die brutale Mißhandlung eines jugendlichen Mordverdächtigen den Kopf waschen. Vergeblich, wie sich zeigt, denn nichts kann diesen Tobsüchtigen bremsen. Als sein Freund und Kollege von Profi-Killern aus dem Weg geräumt wird, eskaliert Azumas Gewalttätigkeit zu einem Rachefeldzug. Sein einsamer Privatkrieg endet in einem Massaker, bei dem zuletzt fast alle auf der Strecke bleiben.

Assoziationen zur Welt griechischer Tragödien passen nicht schlecht zu diesem Film über die Hybris eines Polizisten, der seine gewalttätigen Impulse weder zügeln kann noch will. Polizist Azuma kennt keine Regeln und keine Grenzen, und nicht einmal seine Suspendierung vom Polizeidienst bringt ihn zur Räson. Selbst seine eigenen Kollegen verprügelt der Violent Cop, wenn sie es wagen, sich zwischen ihn und seine Gegner zu stellen. Die einzige Person, der Azuma so etwas wie Zuneigung oder Liebe entgegenzubringen scheint, ist seine eben erst aus der Nervenheilanstalt entlassene Schwester, über deren Ehre er mit beinahe sizilianischer Eifersucht wacht. Gerade dadurch aber gerät sie ins Visier seines Gegenspielers. Takeshi Kitano über seinen Film:

Was mich angeht, mußte ich gar nicht groß über die japanischen Yakuza-Gangster recherchieren - ich hatte immer genug von ihnen vor der Nase. Ich ging im Stadtteil Roppongi einen heben und lauerte dort, bis ich einen zu fassen bekam. „Violent Cop“ war meine erste Regiearbeit. Eigentlich hatte ich nur die Hauptrolle spielen sollen, aber dann paßte mein Terminplan nicht mit dem des Regisseurs zusammen, der Regisseur stieg aus und das ganze Projekt drohte zu scheitern. Da sagte ich so leichthin, daß ich einfach selbst die Regie machen wolle. Da ich ein bißchen Regieerfahrung bei meinen Fernseh-sendungen gesammelt hatte, dachte ich, ich würde das schon hinkriegen, aber in Wirklichkeit wurde es dann doch ziemlich hart. Dafür, daß es mein Erstlingswerk ist, ist jedoch es einigermaßen gelungen, denke ich.

Dieser „einigermaßen gelungene Film“ war immerhin der Startschuß zur zweiten Karriere des Star-Showmasters und Hardcore-Komödianten Beat Takeshi als international gefeierter Regisseur mit Kultstatus. Obwohl der 1989 gedrehte „Violent Cop“ noch recht geradlinig erzählt und eher ein Polizeithriller klassischer Prägung ist, zeigt er dennoch schon viele der Stilmittel, die später für Kitanos Filme typisch wurden: die Einsilbigkeit der Hauptfigur, die Szenen völliger Stille, die unvermittelt in jähe Gewaltausbrüche explodieren oder groteske Einfälle von manchmal rabiatem Humor.

Voll ausgeprägt findet man diese Elemente in „Sonatine“, den der Regisseur als einen seiner liebsten Filme bezeichnet. Eine Gruppe von Yakuza-Gangstern soll auf Okinawa eine rivalisierende Bande auslöschen, wartet aber vergeblich in einem Haus am Strand auf ihren Einsatzbefehl. Während sie warten, entpuppen sie sich nach und nach als Kindsköpfe, die einander Streiche spielen und spleenige Ideen in die Tat umsetzen - nicht ahnend, daß sie in einer tödlichen Falle sitzen. „Sonatine“ stellt mit verschrobenem Humor und surrealen Brechungen die Regeln des Gangsterfilms auf den Kopf und ist dabei von einer unterschwelligen Melancholie, die allen Fans von „Hana-bi“ gefallen wird. Dagegen ist „Violent Cop“ noch ein Film, bei dem auch die Freunde von klassischen harten Actionreißern auf ihre Kosten kommen - und natürlich nichts für empfindsame Gemüter.

Thilo Mardaus
ist Freier Autor bei Film und Fernsehen in Köln
Kontakt: www.thilo-mardaus.de

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