Lukas WeisLukas Weis im Interview

Einen Tag bevor der SX-Cup in Stuttgart startet, haben wir mit Freestyler & 125er-Racer Lukas Weis (Team MX-Promotion) eine Streckenbegehung gemacht und mit ihm über Supercross, den Parcour in Stuttgart und Freestyle geplaudert... (Silke Rinder & Christian Tünnemann)

>> Supercross in Stuttgart

wasserwerfer.de: Das wievielte Mal gehst Du jetzt in Stuttgart beim Supercross an den Start?
Lukas: Dieses Jahr ist das vierte Mal.

wasserwerfer.de: ..und wie waren Deinen Erfahrungen bisher?
Lukas: Also bis jetzt hab ich eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht, weil ich mich - toi, toi, toi - noch nie verletzt hab` beim Supercross. Ich bin die Jahre zuvor auch schon verletzt hier her gekommen, so wie dieses Jahr eigentlich auch: Ich hab mir vor fünf Wochen das Schulterblatt gebrochen und bin jetzt nur einmal kurz gefahren am Wochenende um es mal auszuprobieren ob`s von den Schmerzen her geht, aber es funktioniert ganz gut und deshalb denk´ ich mal, wird das schon klappen.

wasserwerfer.de: Ist dir das beim Freestyle passiert?
Lukas: Ne, ne das war beim Rennen in Reutlingen bei der Inter-DM.

wasserwerfer.de: Wie ist Dein erster Eindruck von der Strecke? Ist sie schwieriger als im letzten Jahr?
Lukas: Das ist schlecht zu sagen auf den ersten Blick, das wird sich entscheiden nach dem ersten Training. Sie sieht flüssiger aus als im letzten Jahr - von den ganzen Kombinationen her ist es dann einfacher im Fluß zu bleiben. Aber wie gesagt, die Schwierigkeit der Strecke stellt sich erst heraus, wenn man das erste Mal gefahren ist. Manchmal siehts einfacher aus und ist schwieriger im Endeffekt.

> nach obenwasserwerfer.de: Wo siehst Du hier auf der Strecke die schwierigeren Stellen?
Lukas: Auf jeden Fall das Waschbrett, wo halt verschieden gefahren werden kann: Entweder es wird gerattert, das heißt man nimmt die Wellen oben über die Kuppen oder es wird gesprungen; das entscheidet sich dann eben erst im Training was schneller und was einfacher ist. Schwierig ist dann noch die Kombination mit den vielen Wellen wo man wirklich den Fluß erwischen muß, um dann optimal von einer Kombination in die andere zu kommen. Wenn man da einmal rauskommt, dann wird es relativ schwer in der Kombination nochmal wieder in den Fluß zu kommen.

wasserwerfer.de: Was sind denn Deine Erwartungen für das Rennen morgen?
Lukas: Meine Erwartungen dieses Jahr kann ich relativ schlecht einschätzen. Das Fahrerfeld ist stark in der 125-er Klasse und mit meinem Supercross-Trainings-Rückstand... ja ich hoffe mal das dabei das Beste rauskommt. Ich hab´s auch letztes Jahr geschafft auf´s Treppchen zu fahren und ich hoffe mal, daß ich es dieses Jahr auch schaffen kann unter die ersten 3-5 zu kommen.

wasserwerfer.de: Fährst Du die komplette Serie mit?
Lukas: Ja, ich fahr' die komplette Serie einschließlich München, was ja nicht zum Supercross-Cup zählt.

wasserwerfer.de: Bist Du auch beim Freestyle dabei oder fährst Du hier nur Rennen?
Lukas: Also hier in Stuttgart mach ich nicht mit aber bei den anderen Rennen in Braunschweig, Dortmund, Kiel und München, bin ich beim Freestyle auch mit am Start. Das gehört einfach dazu bei mir. Von dem her achte ich da nicht drauf, daß es ein größeres Risiko sein könnte sich zu verletzen. Das kann im Training genauso passieren.

wasserwerfer.de: Warum springst Du hier in Stuttgart nicht mit?
Lukas: Es ist so daß das Freestyle-Feld schon voll war und da das Budget nur eine bestimmte Höhe hat, ham se gesagt, lassen se mich hier nicht mit springen, weil kein Geld mehr übrig ist...

Lukas in Action>> Auf zur Steckenbegehung

wasserwerfer.de: Was sagst du zur Beschaffenheit der Strecke? Der Boden scheint doch ziemlich hart zu sein...
Lukas: Der Boden in Stuttgart ist wie Knetmasse - er klebt extrem. Für die Fahrer, die das zweite oder dritte Mal hier fahren ist es einfacher, als für die welche zum ersten Mal hier sind, weil es den Boden so sonst nirgends gibt.

wasserwerfer.de: Ist es im Rennen überhaupt möglich seinen eigenen Rhythmus auf der Strecke zu finden?
Lukas: Wenn man den Rhythmus nicht findet, kann man auch nicht mithalten. Das ist das schwierige beim Supercross, wenn du einmal aus dem Rhythmus bist, mußt du sofort versuchen wieder rein zu kommen, was aber relativ schwierig ist durch die vielen Kombinationen. Von daher: Wer am schnellsten in den Rhythmus kommt, ist auch am besten dran.

> nach obenwasserwerfer.de: Wie sind die Chancen zum Überholen auf dieser Strecke?
Lukas: Es ist schwierig, aber Möglichkeiten gibt es relativ viele: Schon allein in der Sektion hier hinten, die Dreier-Kombinationen, wenn da einer gut zurecht kommt und die Kombinationen gut nimmt, dann wird er da morgen sicherlich einen riesen Vorteil haben. Ansonsten wird bei Sprüngen überholt wie da hinten wo drei Sprünge hintereinander sind. Wenn einer nur zwei springt und der andere drei.... Ich weiß nicht, wie es dieses Jahr ist, letztes Jahr waren es nur drei Mann, die hier über so einen dreifach Sprung gesprungen sind - einer davon war ich - aber dann hat es mich leider auch einmal blöd hingehauen. Aber naja, no risk no fun... Man sagt zwar in der Luft macht man keine Meter, aber wenn man landet muß man wieder bremsen um über den letzten Hügel zu kommen und da verliert man relativ viel Schwung. ...ja und dann halt in den Kurven durch einen Blockpass, wo vor´s Vorderrad gefahren wird. Das sind so die Möglichkeiten, wo hier überholt werden kann.

wasserwerfer.de: Welche Gänge fährst Du hier in der Halle?
Lukas: Das ist schwierig zu sagen. Meistens wird im Zweiten oder dritten Gang gefahren. Wenn man zum Beispiel beim Waschbrett nur über die Kanten fährt, ist es fast nötig im dritten Gang zu fahren, weil man sonst nicht genug Leistung hat. Aber das ist von Motorrad zu Motorrad unterschiedlich und da die KTM - das Modell 2003 - nur fünf Gänge hat und alle andern sechs Gänge, unterscheidet sich dann wieder welche Gänge gefahren werden. Ich fahr Morgen zum ersten mal mit den fünf Gängen und hoffe dass das dann so hinhaut. Aber wir werden sehn...

wasserwerfer.de: Wie geht es bei Dir weiter mit 125er oder 250er?
Lukas: Im Outdoor-Bereich bin ich ja letztes Jahr schon eine 250er gefahren und nächstes Jahr eventuell eine Viertakter fahre, aber im Supercross ist es so, daß die 125er Klasse bis 21 Jahre beschränkt ist. Ich bin jetzt zwanzig, und würd die zwei Jahre gern noch ausschöpfen, da ich auch von der Körperstatur her nicht so dafür gebaut bin, eine 250er zu fahren, was beim Supercross ja wichtig ist das es von der Körperstatur her auch paßt.

wasserwerfer.de: Andere Fahrer machen im Winter ja eher Pause oder nutzen ihn zum Aufbau, Du fährst Supercross. Liegt dein Saison-Schwerpunkt eher im Sommer oder im Winter?
Lukas: Mein Schwerpunkt liegt im Sommer und im Winter. Ich fahr im Sommer die Motocross-Serie, im Winter die Supercross- Serie. Die endet im Januar und dann fahr ich in der Tschechischen Republik nochmal Supercross-Rennen. Ende Febuar endet meine Saison und dann hab ich einen Monat um mich aufzubauen und vorzubereiten. In der Zeit wird eigentlich kein Motorrad gefahren und ist eher fürs Fitnes-Studio gedacht, für Muskel- und Konditionsaufbau.

> nach obenwasserwerfer.de: Was sind Deine Pläne für die nächste Saison?
Lukas: Ich hab´ momentan noch keinen Sponsor für nächstes Jahr. Mit dem Team MX-Promotion fahr ich jetzt beim Supercross und er ist noch auf der Sponsor-Suche um für mich noch ein Motorrad aufzutreiben und das Material. Ganz sicher ist es, daß ich nächates Jahr wieder die DMX fahren werde, so wie die 125-DM und dann wenn's klappt wieder die einheimischen Grandprix.

wasserwerfer.de: Und in Sachen Freestyle?
Lukas: Also Freestyle mach ich ja eigentlich immer nebenher, weil damit wirklich gut Geld verdient werden kann und natürlich auch um sich einen Namen zu machen. Viele Leute, die hier morgen zuschauen werden, kennen mich eigentlich eher vom Freestyle, als vom Motocross... Ich wollte eigentlich dieses Jahr auch in Risa mitspringen, hab´ mir aber drei Wochen davor das Handgelenk gebrochen und somit konnt' ich da nicht an den Start gehen. Genauso wie vor 2 Wochen in Oberhausen: Da wollte ich auch starten, hab´ mir aber zwei Wochen vorher das Schulterblatt gebrochen. Ansonsten wenn ich die Zeit habe, nutze ich natürlich auch die ganzen Contests, um mich da zu steigern und zu schaun, auf welchem Level ich bin.

König Lukas>> Freestyle, Training & Eishockey

wasserwerfer.de: Wieviel trainierst Du Freestyle, wieviel Racing in der Woche?
Lukas: Ja viele glauben es ja nicht. Motocross wird bei mir 2-3 Mal in der Woche gefahren, wobei das ganz davon abhängt, wieviel Geld ich immer habe. Da in meinem Umkreis nicht viele Strecken liegen, muß ich immer 1,5 - 2 Stunden zur nächsten Strecke fahren und das geht dann schon mächtig ins Geld. Freestyle trainiere ich eigentlich überhaupt nicht, ich hab´ nur die Möglichkeit, wenn ich auf die Events komme oder irgendwo ne Show springe, da zu trainieren. Aber ich hab´ jetzt schon mit ein paar Freunden von mir gesprochen die 2 Stunden entfernt wohnen und ‚ne eigene Ramp besitzen, wo ich dann mal hinfahren könnte. Das Problem ist einfach, daß ich nicht einen ganzen Tag dafür opfere, 2 Stunden hinzufahrn, da dann 2 Stunden zu springen und wieder 2 Stunden nach Hause zu fahrn. Das ist mir dann einfach zu teuer...und das wirkt sich dann natürlich aus: Wenn ich auf Contests komme, brauch' ich relativ lange bis ich mich eingesprungen habe und dann halt auch schauen kann, ob ich neue Tricks probiere oder nicht - wegen Verletzungsgefahr und so weiter...

wasserwerfer.de: Machst Du noch andere Sportarten in die Richtung?
Lukas: Ich hab´ nur jahrelang Eishockey gespielt... Aber vor kurzem hab' ich mir ein BMX gekauft und werd' jetzt mit BMX-Dirt-Jump anfangen, weil das eben auch fast alle machen, die Freestyle machen. Nur die Verletzungsgefahr macht mir etwas Sorgen: Immer wenn ich was mit dem Fahrrad mache, geht das irgendwie schief... Aber gut, jetzt hab ich mir´s gekauft und nun wird auch damit angefangen. ...weil so ein BMX-Dirt-Jump kann ich auch bei mir irgendwo bauen. Da muß ich nicht so weit fahren, um zu trainieren und es geht im Prinzip so ein bißchen in die gleiche Richtung, man verliert auch die Angst und dann denk ich mal wird das schon hinhauen.

> nach obenwasserwerfer.de: Wann hast Du eigentlich angefangen mit Motocross?
Lukas: Oh mit Motocross, das war 1987.

wasserwerfer.de: Und wie kamst Du dazu? Bist Du familiär vorbelastet?
Lukas: Mein Vater ist früher auch so ein bißchen gefahren und dann eben durch einen ganz guten Kumpel, Andreas Vogel, der mehrfacher deutscher Meister war und leider vor einigen Jahren tödlich verunglückt ist. Durch den sind wir eigentlich an den Sport gekommen: Der hatte ein Motorrad und war bei uns in der Gegend und wir ham das gesehn und da wollte ich das einfach mal fahrn' und dann haben wir uns auch bald eine gekauft. Durch ihn bin ich eigentlich so richtig dazu gekommen...

wasserwerfer.de: Tolle Show neulich in Holzgerlingen vor allem deine "Whips" waren Klasse...
Lukas: Ja für die Zuschauer ist das das Größte. Da gehen die am meisten ab, wenn einer so einen Trick macht und im Prinzip ist das eigentlich so das Oldschool-Freestyle mit dem angefangen wurde. Es ist relativ schwierig das auszuführen, deswegen sieht man es auch ziemlich selten. Viele Fahrer stellen das Bike zwar quer, aber kriegen´s nicht so richtig rum. Das ist so zu sagen mein Markenzeichen und ich hab´s ganz gut drauf...

wasserwerfer.de: Dann dürfen wir also gespannt sein auf Braunschweig?
Lukas: Ja in Braunschweig hab ich letztes Jahr ganz gute Erfahrungen gesammelt: Am Freitag bin ich nicht mitgesprungen, weil ich meine Gesellenprüfung als KFZ-Mechaniker hatte, bin am Samstag dann aber sofort aufs Podium gefahren (3.Platz), eigentlich mein bestes Resultat letztes Jahr! Dann abends beim Freestyle bin ich leider mächtig abgestürzt, so wie letztes Jahr hier Kornel Nemeth (Anm.: kollektives Nicken). Nur hatte ich das Glück, dass der Boden etwas weicher war... Hier ist alles relativ klein im Vergleich zu Dortmund oder München wo mit Rampe gesprungen wird, was wesentlich einfacher ist. Hier müssen die Tricks relativ schnell ausgeführt werden und bei den Erdhügeln fahren sich auch Spuren rein...

>> Ziele

wasserwerfer.de: Die fetten Verträge fürs nächste Jahr hast du noch nicht in der Tasche. Wie sieht´s aus?
Lukas: Wie gesagt im März hatte ich meine Gesellenprüfung und hab dann ja auch jetzt das ganze Jahr auf Profi gemacht und damit ganz gut Geld verdient. Ich bin fürs Team Millenium gefahren und jetzt lebe ich momentan von den Einnahmen, die ich dieses Jahr eingefahren hab und davon was ich jetzt im Hallencross einfahre. Für nächstes Jahr wird man sehn wie es hinhaut.

> nach obenwasserwerfer.de: Wie ist das mit dem Team Millenium? Da hört man ja die wildesten Sachen?
Lukas: Ja das ist schwierig... Das werde ich oft gefragt, aber ich bin da wirklich überhaupt nicht informiert. Am 31. Oktober ist mein Vertrag ausgelaufen. Ich war da nur Fahrer, ich fahr, bekomme mein Material und um mehr hab' ich mich nicht zu kümmern - ich hab also keine Ahnung wie das nächstes Jahr ablaufen wird. So wie es mir gesagt wurde, werden nur Freestyle-Events vom Team Millenium veranstaltet. Also es gibt kein Team mehr oder irgend sowas.

wasserwerfer.de: Was sind deine Ambitionen für die Zukunft?
Lukas: Mein Ziel war es immer, und ist es noch, in die USA zu gehen. Natürlich fahr ich auch gern in der WM mit und wenn die Ergebnisse gut sind, kann man da auch sein Geld verdienen. Aber mein größtes Ziel wäre es, wenn ich in den USA fahren könnte und in einem guten Team vorne mitfahren kann.

wasserwerfer.de: Lukas, vielen Dank und viel Glück beim Rennen morgen!
Lukas. Ja, Danke ... tschüß!

>> Übersicht

Intro

Lukas Weis im Interview

1. Nacht: Freitag, 15.11

Casey Johnson im Interview

2. Nacht Samstag, 16.11

Grafik: Vom Vorlauf ins Finale


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