Lukas Weis Supercross Tagebuch

Wir präsentieren euch den 1. Teil unseres Insider-Reports der Winter-Saison 2003/2004. Blickt mit wasserwerfer.de - crossover online magazin hinter die Kulissen der deutschen Supercross Szene: Lukas Weis, der sympathische Racer und Freestyler hat in dieser Saison endlich sein langersehntes Ziel erreicht: Es gelang ihm die Gesamtwertung des ADAC SX-Cup in der 125ccm Klasse zu gewinnen! Wir haben Lukas auf dem Weg dorthin begleitet. Lest exklusiv bei wasserwerfer.de seine Impressionen und Erlebnisse aus erster Hand. Viel Spaß!

Am ersten Tag in Stuttgart habe ich einen Lauf gewonnen und bin einmal dritter geworden. Am zweiten Tag dann war ich einmal Zweiter und einmal Dritter. War nicht ganz so, wie ich es mir eigentlich erhofft habe. Im letzten Jahr hab ich ja insgesamt gewonnen in Stuttgart, dieses Mal hab ich zwar auch hinterher die Gesamtführung übernommen aber auch nur weil der Belgier nicht mit in die Wertung eingegangen ist.

Die Strecke war einwandfrei, die hat mir super gut gefallen! Die Beschaffenheit des etwas klebrigen Bodens in Stuttgart liegt mir relativ gut, damit kommen viele andere nicht ganz so gut zurecht.

Oje Chemnitz! Chemnitz war nicht so toll. Von den Platzierungen her etwas enttäuschend für mich, mit einem vierten und dritten Platz. Aber das lag an den Streckenverhältnissen: Es war relativ rutschig, zwar hart, aber auch rutschig durch diesen eher lockeren Tennisplatzboden mit dem roten Sand. Da war es sehr schwierig für mich mit der Zweitakter gegen die ganzen Viertakter. Wenn der Boden so rutschig ist, ist es viel einfacher mit einer Viertakter zu fahren. Von daher muss ich sagen, bin ich eigentlich ganz zufrieden wie es gelaufen ist. Hätte natürlich besser laufen können!

Ich wäre schon mal gerne an einem der zwei Tage im Superfinale gestartet. Dafür hätte ich aber Zweiter werden müssen und das hat leider nicht geklappt. Aber im großen und ganzen bin ich eigentlich doch zufrieden. Ich bin ja auch am Freitag beim Training gleich in der ersten Runde gestürzt - an einem Doppelsprung zu kurz gesprungen - und hab mir die Kapsel am Zeigefinger kaputt gemacht. Von daher ging es eigentlich echt recht gut und ich bin froh, dass ich mich nicht schwerer verletzt habe.

Dadurch, dass es ja nicht mit in die Wertung vom SX-Cup reinzählt, war es auch nicht so tragisch...

Die Stimmung unter den Fahrern war sehr getrübt, hauptsächlich aufgrund des Bodens, weil es doch relativ schwierig und auch gefährlich war. Die Strecke war vom Verlauf her eigentlich schön und mit einer anderen Erde wäre sie auch schön zu fahren gewesen. Die Fahrer waren schon alle eher down von der Stimmung her. Jeder hat geschimpft, man denkt in so einer Situation halt immer, warum muss alles so schwierig sein, wenn's doch auch einfacher gehen würde. Der Start war auch nicht gerade einfach: Es ging ziemlich eng ins Waschbrett rein und dann gleich durch einen Anleger, wo eine Riesen-Stufe drin war. Also auch das war nicht gerade ideal.... Aber als Fahrer muss man sich fügen und auf jeder Strecke fahren und das Beste raus holen!

Kiel (lacht), wie jedes Jahr: Der Boden sehr weich und tiefe Spurrillen. Das hat mir nicht so gut gefallen. Der Boden ist schwer und die Strecke sehr eng. Vom Verlauf her hat sie mir dieses Jahr aber ganz gut gefallen. Dementsprechend auch die Platzierungen. Ich hab mich da ein bisschen verrückt gemacht mit den Starts. Ich hab mich selber viel zu sehr unter Druck gesetzt und dann prompt schlechte Starts gehabt. Und es war dann eben relativ schwierig auf dieser kleinen und engen Strecke zu überholen um wieder nach vorne zu kommen. Ich bin dann aber doch noch Dritter und Zweiter geworden. Wobei ich mich schon geärgert habe, weil ich im zweiten Lauf einen guten Start hatte und das Rennen bis zur letzten Runde angeführt habe. Aber dann hab ich in der letzten Runde einen ziemlich blöden Fehler gemacht und bin dadurch doch nur zweiter geworden. Den Lauf hätte ich eigentlich gewinnen müssen! Das hat mich dann den Tagessieg gekostet und das ist schon immer noch mal ein besonderer Motivationsschub, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Außerdem wollte ich auch den Belgier mal schlagen. Der fährt uns immer so ein bisschen vor der Nase rum und das passt mir nicht so ganz, auch wenn er nicht in die Punkte mit reinzählt.

Na ja, ich hab mir eben gesagt den Start musst du jetzt gewinnen, weil es dann für mich auch einfacher ist. Ich bin außer in Chemnitz bei den Zeittrainings immer die schnellste Runde gefahren! Aber im Rennen von hinten nach vorne zu fahren ist mühsam und es wird auch schwer die vorderen Leute, die nur einen Tick langsamer sind als du selbst, zu überholen. Von daher hab ich mich da schon ziemlich unter Druck gesetzt und mir gesagt, den Start musst du gewinnen. Mit einer Zweitakter sind die Starts auch nicht gerade einfach gegen die ganzen Viertakter. Da muss natürlich schon alles stimmen und wenn man sich dann da zu sehr unter Druck setzt, kann es eben auch nach hinten los gehen. Im zweiten Lauf hat der Start ja dann auch ganz gut geklappt. Wobei das wahrscheinlich auch die Wut war, die ihr übriges dazu beigetragen hat. Ich bin schon noch am Trainieren mit den Starts und der neuen Maschine. Mit der Honda ist es etwas anders zu starten als mit der KTM.

Ich bin jetzt fünf Jahre KTM gefahren. Die Outdoor-Saison bin ich dann auf Yamaha gefahren auf einer 250er Viertakt. Ja und das Supercross fahr ich für Honda Waldmann und wieder auf einer Zweitakter.

Die 125er Zweitakter Honda hatte immer den Ruf, dass sie den schwächsten Motor unter den 125ern hat und das macht das ganze auch nicht gerade einfacher... aber das Motorrad läuft eigentlich relativ gut, es fehlt noch ein bisschen der Feinschliff. Wir sind am Arbeiten. Ich habe ja schon das 2004er Modell und wir arbeiten daran, dass der Motor noch besser vorjustiert wird und in München kommen wahrscheinlich schon die neuen Teile. Dann klappt das auch besser mit den Starts. Ich sag es mal so: Mit dem Motorrad, das ich jetzt fahre, muss alles 100% stimmen am Start. Bei der KTM hat es gereicht, wenn du nur 85% hattest und trotzdem konntest du es noch rausreissen und den Start gewinnen. Und das funktioniert eben bei meinem momentanen Motorrad nicht. Also sie läuft zwar nicht schlecht, ich bin relativ zufrieden damit, aber es ist einfach schwieriger für mich. Aber ich bin am Trainieren und gebe mein Bestes.

Ich war jetzt wieder in Tschechien in der Supercross-Halle zum Trainieren zusammen mit dem Marco (Dorsch). Und ich bleib dran: Trainieren, trainieren, die Starts und auch das Schalten. Dadurch, dass sie weniger Leistung hat als die KTM, muss ich auch die Gänge ganz anders fahren. Und das ist noch etwas schwierig im Moment. Aber wie gesagt, ich bin am Trainieren und hoffe, dass es demnächst funktioniert. Zumindest bis Dortmund muss es sitzen. Ich möchte dieses Jahr schon auf jeden Fall die 125-er Klasse gewinnen und für mich selber muss ich sie auch gewinnen! Nicht nur für mich, auch für meine Sponsoren. Und das wird schon nicht ganz einfach. Ich muss echt aufpassen, dass es nicht läuft wie im letzten Jahr. Da lief es anfangs auch ganz gut und dann hab ich mich auch wieder viel zu sehr selbst unter Druck gesetzt und bin dann mehr gestürzt. Und das hab ich dieses Jahr nicht noch mal vor!

Für den SX-Cup ist es nie schwierig Sponsoren zu finden, weil der Aufwand für die Teams viel geringer ist als das ganze Jahr draußen. Von daher hätte ich wahrscheinlich für den SX-Cup für einige Teams an den Start gehen können. Aber ich habe das gar nicht forciert, weil ich von Anfang an gesagt habe, dass ich ein Team suche, die mich auch nächste Saison draußen unterstützen. Mir bringt es nichts, wenn ich jetzt SX-Cup fahre und nach dem SX-Cup stehe ich dann da und hab kein Team für die Outdoor-Saison.

Ich werde also die nächste Outdoor-Saison auch fürs Team Waldmann auf der Honda fahren. Ich komm mit denen allen ganz gut klar. Die sind alle ziemlich nett und es herrscht gute Stimmung im Team. Da ist es dann auch etwas einfacher gute Leistungen zu bringen, wenn alles harmoniert.

Ja meine Schulter... Ich hab mich gleich beim zweiten Lauf in Tensfeld zerlegt und mir die rechte Schulter wieder kaputt gemacht. Mit der hatte ich eh schon länger Probleme. Da bin ich schon 2000 das erste mal draufgefallen. Und in letzter Zeit oft angeschlagen, weil ich bei Stürzen immer wieder auf die Schulter draufgefallen bin. Ich hab dann zwei Wochen Reha gemacht in Eberbach und hab die nächsten zwei Rennen erst mal pausiert, sodass die Schulter wieder voll einsetzbar und alles im grünen Bereich war. Aber die Schulter ist natürlich anfälliger. Sobald man da wieder drauffällt, kann es da erneut zu Problemen kommen. Deshalb macht man ja im Winter dann auch den Muskelaufbau, damit das ganze etwas geschützt wird. Ja und beim letzten DMX-Lauf hab ich mich dann noch mal zerlegt und mir dabei an der rechten Schulter die Pfanne vom Schulterblatt gebrochen. Da bin ich dann für die nächsten Rennen auch wieder ausgefallen. Dadurch hab ich vielleicht gerade die Hälfte der Rennen gefahren, die ich in der Saison eigentlich fahren wollte. Und das ist natürlich auch nicht gerade förderlich für die Sponsorensuche. Da wird natürlich schon auch nach Ergebnissen geschaut.

Lest in Kürze den zweiten Teil vom exklusiven Lukas Weis Supercross Tagebuch hier beim wasserwerfer.de - crossover online magazin...